{"id":313,"date":"2020-02-01T23:40:07","date_gmt":"2020-02-01T22:40:07","guid":{"rendered":"http:\/\/hosting.itz.fak13.lmu.de\/filmimpuls\/?p=313"},"modified":"2020-02-01T23:40:07","modified_gmt":"2020-02-01T22:40:07","slug":"filmimpuls-zu-il-se-passe-quelque-chose","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hosting.itz.fak13.lmu.de\/filmimpuls\/2020\/02\/01\/filmimpuls-zu-il-se-passe-quelque-chose\/","title":{"rendered":"filmimpuls. zu IL SE PASSE QUELQUE CHOSE"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Eine Filmeinf\u00fchrung von Karolin Tybus (vorgetragen am 21.01.2020 im Rahmen der Mittelmeer-Filmtage in M\u00fcnchen)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>IL SE PASSE QUELQUE CHOSE (Something is Happening)<\/strong> <br>Frankreich 2018 | Regie: Anne Alix | 101 Min. | Spielfilm, Drama<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><em>Il se Passe Quelque Chose<\/em> ist ein Drama aus dem Jahr 2018, das im selben Jahr unter anderem im Rahmen der Filmfestspiele in Cannes gezeigt wurde. Das Drehbuch zum Film schrieben Alexis Galmot und Anne Alix. Regisseurin Anne Alix, die selbst seit einigen Jahren in der Camargue lebt, wo der der Film spielt und auch gedreht wurde, hat mit <em>Il se Passe Quelque Chose<\/em> einen Film geschaffen, der sich auf besondere Weise mit der Thematik von Begegnungen zwischen Menschen verschiedenster Herkunft auseinandersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich f\u00fcr Sie den\nInhalt noch einmal kurz umrei\u00dfen. Der Film erz\u00e4hlt die Geschichte der aus\nBulgarien stammenden Irma, die nach dem Tod ihres Mannes ihren Platz in der\nWelt nicht mehr findet und der weltoffenen, unabh\u00e4ngigen Spanierin Dolor\u00e8s, die\nan einem gay-friendly Reisef\u00fchrer arbeitet. Beide begegnen sich durch einen\nZufall und begeben sich auf einen gemeinsamen Roadtrip durch die Camargue zwischen\nRh\u00f4ne und Mittelmeer \u2013 scheinbar auf der Suche nach einem neuen Start ins\nLeben. \u201eIl se passe quelque chose\u201c, \u201esomething is happening\u201c, \u201ees passiert\netwas\u201c \u2013 der Name des Films ist Programm. Auf ganz subtile und ruhige Art wird dem\nZuschauer das, was geschieht, durch die Begegnungen mit den verschiedenen\nProtagonisten im Film n\u00e4hergebracht. Durch die Augen von Dolor\u00e8s und Irma\nscheinen wir als Zuschauer erfahren zu k\u00f6nnen, wie die Camargue und ihre\nBewohner wirklich sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Gedanke f\u00fchrt mich nun auch zu\nmeinem wissenschaftlichen Ansatzpunkt zu <em>Il\nse passe Quelque Chose<\/em>. In ihren Notizen zum Film aus dem April 2017 (zu\nfinden im Beiheft der DVD) schreibt Anne Alix, dass sie sich gern von der\nRealit\u00e4t inspirieren l\u00e4sst \u2013 ich m\u00f6chte hier auch erw\u00e4hnen, dass sie bereits bei\neinigen Dokumentarfilmen Regie f\u00fchrte. So \u00e4nderte sie die zuerst entworfene\nStruktur des Films dahingehend, dass Dolor\u00e8s und Irma nun nicht mehr einfach\nnur mit erfundenen Charakteren, sondern mit den Menschen und deren Geschichten,\ndie dem Team w\u00e4hrend der Suche nach Drehorten in der Camargue begegnet sind,\nzusammentreffen sollten. Hierbei sollte nun im Anschluss besonders herausgestellt\nwerden, dass eigentlich niemand, mit dem das Team sprach, urspr\u00fcnglich aus\nFrankreich stammt. Das Drehbuch, in dem die Geschichte von Dolor\u00e8s und Irma\nverankert ist, bildet also lediglich einen Rahmen f\u00fcr das, was im Film wirklich\ngezeigt wird. In <em>Il se Passe Quelque\nChose<\/em> treffen so gewisserma\u00dfen Fiktion und Realit\u00e4t aufeinander. Die\nFiktion der Rahmenhandlung um die beiden Protagonistinnen nimmt die echten\nGeschichten in sich auf und l\u00e4sst eine \u00e4u\u00dferst interessante Art des\nDokumentarfilms entstehen. Auch in der Inszenierung werden wir dies gleich in einigen\nTeilen des Films sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie ich bereits am Anfang meines Vortrages erw\u00e4hnt habe, ist <em>Il se Passe Quelque Chose <\/em>jedoch kein Dokumentarfilm sondern ein Drama. Die Hauptgeschichte, die wir als Zuschauer verfolgen sollen, ist, wie bereits von mir erw\u00e4hnt, die von Irma und Dolor\u00e8s. Deren Begegnungen mit den anderen Protagonisten spielen eine tragende Rolle. Sie helfen den beiden Frauen, sich weiterzuentwickeln, denn Ver\u00e4nderung ist eine grundlegende Charakteristik des Erz\u00e4hlens einer Geschichte. Fiktionale Werke haben in vielerlei Hinsicht den Anspruch, unsere Wirklichkeit abzubilden. In gewisser Weise also das Schaffen einer alternativen Realit\u00e4t in der wir uns als Rezipienten wiederfinden k\u00f6nnen. Sie werden aber unsere Realit\u00e4t niemals so exakt darstellen k\u00f6nnen, wie wir sie kennen. <em>Il se Passe Quelque Chose<\/em> baut hier eine faszinierende Br\u00fccke, bei der die Fiktion buchst\u00e4blich auf die Wirklichkeit trifft und von dieser beeinflusst wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Geht man also davon aus, dass der Film Z\u00fcge eines k\u00fcnstlerischen Dokumentarfilmes aufweist, erschlie\u00dft er f\u00fcr uns als Publikum ganz subtil eine reale Welt, die wir sonst wom\u00f6glich nicht zu Gesicht bekommen h\u00e4tten. Er zeigt die Diversit\u00e4t der Bewohner der Camargue \u2013 von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die in Frankreich nach einem neuen, sichereren Leben suchen. Wie der Journalist und Filmtheoretiker Siegfried Kracauer schreibt, bringt das Kino uns \u201eAuge in Auge mit Dingen, die wir f\u00fcrchten\u201c und fordert uns dazu auf, uns mit den realen Ereignissen, die es zeigt, kritisch auseinanderzusetzen (Kracauer 247). Wir f\u00fcrchten das Fremde, das Andere \u2013 Dinge, die uns unbekannt sind, Dinge, die wir nicht gewohnt sind, Dinge, mit denen wir uns oft ungern auseinandersetzen wollen. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Il se Passe Quelque Chose <\/em>l\u00e4sst uns mit Irma und Dolor\u00e8s eben solche Konfrontationen auf der Leinwand durchleben. Diese Konfrontationen haben aber durchaus keinen negativen Hintergrund. Ganz im Gegenteil. Die beiden Frauen lernen das ihnen zun\u00e4chst Fremde in Begegnungen und Gespr\u00e4chen kennen und nutzen ihre neu gewonnenen Erfahrungen und ver\u00e4ndern sich durch diese. Fiktive Gespr\u00e4chspartner und Geschichten h\u00e4tten die Entwicklung von Dolor\u00e8s und Irma nat\u00fcrlich genauso beeinflussen k\u00f6nnen, aber Anne Alix hat sich bewusst entschieden, ihr fiktionales Werk der Realit\u00e4t, in der es spielt, gegen\u00fcberzustellen, um die wirkliche Camargue zu zeigen. So ist ein Film entstanden, der fast unmerklich f\u00fcr uns als Zuschauer aktuelle Thematiken der europ\u00e4ischen Gesellschaft aufgreift und von diesen erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p><br>__________<br><em>Il se Passe Quelque Chose<\/em>. Regie Anne Alix, Darbietungen von Bojena Horackova und Lola Due\u00f1as, Shellac, 2018. DVD. <br><br>Kracauer, Siegfried. \u201eDie Errettung der physischen Realit\u00e4t.\u201c <em>Texte zur Theorie des Films<\/em>, Reclam, 2017, S. 234 \u2013 245. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Filmeinf\u00fchrung von Karolin Tybus (vorgetragen am 21.01.2020 im Rahmen der Mittelmeer-Filmtage in M\u00fcnchen) IL SE PASSE QUELQUE CHOSE (Something is Happening) Frankreich 2018 | Regie: Anne Alix | 101 Min. | Spielfilm, Drama Il se Passe Quelque Chose ist ein Drama aus dem Jahr 2018, das im selben Jahr unter anderem im Rahmen der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":16,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[16,27,28],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hosting.itz.fak13.lmu.de\/filmimpuls\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/313"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hosting.itz.fak13.lmu.de\/filmimpuls\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hosting.itz.fak13.lmu.de\/filmimpuls\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hosting.itz.fak13.lmu.de\/filmimpuls\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hosting.itz.fak13.lmu.de\/filmimpuls\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=313"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/hosting.itz.fak13.lmu.de\/filmimpuls\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/313\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":318,"href":"http:\/\/hosting.itz.fak13.lmu.de\/filmimpuls\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/313\/revisions\/318"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hosting.itz.fak13.lmu.de\/filmimpuls\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hosting.itz.fak13.lmu.de\/filmimpuls\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=313"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hosting.itz.fak13.lmu.de\/filmimpuls\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=313"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hosting.itz.fak13.lmu.de\/filmimpuls\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=313"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}