Hervorgehoben

Ich studiere Film- und Medienkultur-Forschung. Und was macht man damit?

Über das Verlassen der „Uni-Blase“

von Lydia Frost und Paulina Kutschka

Den Masterstudiengang Film- und Medienkultur-Forschung (kurz: FMK) gibt es noch gar nicht so lange. Wir sind aktuell der zweite Jahrgang – insofern hatten wir oft nur wenig Ahnung davon, was uns so erwartet. Vergangenes Jahr standen unsere Kommilitonen/-innen aus dem höheren Semester vor der Aufgabe, eine Fachtagung zu planen und durchzuführen – so ist es regulär als Prüfung im dritten Semester vorgesehen. Dieser gemeinsamen Projektarbeit, so würden wir jetzt einschätzen, hat auch unser überschaubarer Jahrgang durchaus freudig entgegen gesehen. Umso größer war die Zustimmung, als wir im Wintersemester 2019/20 sogar die spannende Möglichkeit erhielten, mit der Filmstadt München im Rahmen der Mittelmeer-Filmtage zusammenzuarbeiten und diese mitzugestalten. Die Idee, unsere Forschungsansätze vor einem großen Publikum zur Anwendung kommen zu lassen und damit die Filmtage um eine wissenschaftliche Perspektive zu erweitern, wurde von uns mit viel Enthusiasmus aufgenommen. Voller Elan wurde sich auf die Planung gestürzt, ganz heiß darauf, unserer Kreativität freien Lauf zu lassen – gerade, weil wir es aus unserem Studiengang gewohnt sind, eher theoriebasiert zu arbeiten. Erste Ideen rund um einen Werbefilm, eine Fotoausstellung, eine Kunstinstallation, Workshops und Filmeinführungen wurden schnell konkretisiert.
Nach einigen Treffen und detaillierten Ausarbeitungen der einzelnen Arbeitsgruppen wurde klar, dass es schwierig ist, die Wissenschaft vor lauter Möglichkeiten nicht zu vernachlässigen. Und plötzlich standen wir vor einem Problem: Wie schafft man es eigentlich, die Brücke zwischen Wissenschaft und kreativem Arbeiten zu schlagen?
Nun stellt sich heraus, dass künstlerische Freiheit manchmal eine schwierige Ausgangslage für eine wissenschaftliche These darstellt. Durch die Begeisterung und die Zeit, die wir in den kreativen Prozess gesteckt haben, haben wir den wissenschaftlichen Fokus etwas aus den Augen verloren. Das ergibt sich nicht unbedingt aus der eigenen Schwerpunktsetzung, sondern ist auch Folge eines Interessenskonflikts. In der Rolle als Studierende ist es unsere Aufgabe, den wissenschaftlichen Ansprüchen der Universität zu genügen und diese zu repräsentieren. Gleichzeitig müssen wir uns im Hinblick auf die bevorstehenden Filmtage auch einem Uni-externen Publikum anpassen können. Im Umfeld der Uni sind wir es gewohnt, auf ein gleichgesinntes Publikum zu treffen. Nur selten begeben wir uns mit unserem Filmwissen aus unserer Blase. Auf einer öffentlichen Veranstaltung wie den Mittelmeer-Filmtagen trauen wir uns nun vor ein heterogenes Publikum, das wir nur schwer einschätzen können. Wie setzt sich das Publikum zusammen? Welches Vorwissen können wir voraussetzen? Und ist das Publikum überhaupt an wissenschaftlichen Impulsen interessiert? Letztlich müssen wir feststellen, dass es auf diese Fragen keine eindeutigen Antworten geben kann. Doch wie können wir dann bei einer Filmeinführung sicherstellen, dass wir das Publikum mit unseren theoretischen Ansätzen erreichen und gleichzeitig dem Anspruch der Uni gerecht werden?
Statt dem üblichen Aufbau unserer schriftlichen Arbeiten versuchen wir zum Beispiel, das gewohnte Prozedere mit Referenzen auf andere Autoren im mündlichen Vortrag zu umgehen. Während wir normalerweise verschiedene Blickpunkte einnehmen, ist es nun wichtig, dem Publikum eine eindeutige Sichtweise zu präsentieren und es auch direkt anzusprechen. Dabei darf natürlich nicht vergessen werden, dass ein Vortrag vor dem Film leicht zugänglich, verständlich und informativ sein sollte – mit der Besonderheit nicht aus Versehen den Film zu spoilern.
Was wir dabei stets im Hinterkopf haben ist, dass unsere Leistung letztlich auch in schriftlicher Ausführung benotet wird. Außerdem unterscheiden sich unsere Beiträge für die Filmtage von Gruppe zu Gruppe so sehr, dass es schwierig ist, eine allgemeingültige und gleichzeitig für jeden zufriedenstellende Leistungsbeurteilung zu finden.
Trotz all dieser Schwierigkeiten freuen wir uns auf die Herausforderung und sehen unsere Vorträge bei den Mittelmeer-Filmtagen als lehrreiche Gelegenheit im Hinblick auf unsere berufliche Zukunft. Wir denken, es ist manchmal gar nicht so schlecht, die Wissenschafts- Blase zu verlassen, schließlich sind im Rahmen der Mittelmeer-Filmtage tolle und kreative Projekte entstanden. Die wissenschaftliche Methodik haben wir als Masterstudenten dann doch schon verinnerlicht und sie damit längst zur Grundlage unseres Denkens gemacht.

Die Perspektive der medialen Berichterstattung: Zwischen Simulation und Realität

von Felix Herz

Der 1929 in Reims geborene Philosoph, Medientheoretiker und Soziologe Jean Baudrillard eckte mit seinem Verständnis der Moderne nicht selten an. In den 1970er Jahren entwickelte er die Simulationstheorie, in der er „konstatiert, dass nichts Reales mehr außerhalb medialer Zeichensysteme existiere“ (Lexikon der Filmbegriffe: Simulationstheorie)[1]. Zeichen werden also aufgrund fehlender Referenzen zu Simulacra, zu Schattengebilden.

Baudrillards Feind ist die moderne Konsumgesellschaft, die taub und stumm wird durch den ständigen Informationsfluss aus Zeitungen, Zeitschriften, aus iPhones und Internetseiten. Die Masse Mensch werde Baudrillard zufolge zum Schweigen gebracht, so stellt der SWR2 im Beitrag „Jean Baudrillard und die Kultur der Simulation“ (SWR2: Jean Baudrillard und die Kultur der Simulation)[2] fest.

Auch von der Politik zeichnet Baudrillard ein schwarzes Bild. Klassische Politiker seien durch PR-Experten und Medienprofis ersetzt worden und stehen einer Wirtschaftselite gegenüber, die das eigentliche Sagen hat. Die Politik sei ebenfalls eine Simulation geworden, so Baudrillard.

Baudrillard starb 2007 in Paris – er wurde 77 Jahre alt. 2007 – das war vor der Finanzkrise, vor der Flüchtlingskrise und vor Fridays for Future. Was würde Baudrillard jetzt, im Jahr 2020 und mit Blick auf ein turbulentes Jahrzehnt, sagen?

Vor allem hinsichtlich der Berichterstattung über die Flüchtlingskrise standen die deutschen Leitmedien 2017 in der Kritik. Die Otto Brenner Stiftung zog ein ernüchterndes Fazit. Zwischen Februar 2015, als die Flüchtlingsthematik begann, die Griechenland-Rettung als nationales Megathema abzulösen, bis zur Kölner Silvesternacht 2015, so schreibt die Frankfurter Allgemeine, seien Journalisten ihrer Rolle als neutrale Beobachter nicht gerecht geworden (Frankfurter Allgemeine: Wie Medien über die Flüchtlingskrise berichteten)[3]. Zu sehr habe man sich dem Diskurs und den Losungen der Politik unterworfen, anstatt die Sorgen und Ängste der Bevölkerung zu beleuchten. Das habe eine Frontbildung in der Gesellschaft verstärkt, sagt Michael Haller, Studienleiter und wissenschaftlicher Direktor des Europäischen Instituts für Journalismus- und Kommunikationsforschung. Erst gegen Ende 2015 habe sich der mediale Diskurs erweitert – und man habe, so Haller weiter, teilweise den Eindruck bekommen, manche Journalisten versuchten nun, übereifrig nachzuholen, was zuvor versäumt wurde.[4]

Wo stehen wir nun im Jahr 2020? Die Stimmung ist aufgeheizter, die Fronten weiterhin verhärtet. Zwischen Trump, Johnson, Brexit, Irankonflikt, Klimaschutz und -Hysterie, ist die Flüchtlingskrise keine Krise mehr, sondern vielmehr eine Thematik.

Wir stehen vor Bildern, die Geschichten erzählen, vor Zeilen, die Einblicke bieten, und vor Ausschnitten, die eine Vergangenheit zeigen. Wir stehen vor Perspektiven – was würde Baudrillard sagen?


Titelbild- und Coverquellen, sowie Danksagung:

Folgende Zeitungs- und Magazinausgaben wurden genutzt (Die Copyright-Angaben befinden sich ebenfalls am unteren Rand der Ausstellungsbilder):

  1. Süddeutsche Zeitung:
  2. Titelstory: „Gestrandet beim kleinen Bruder“, 11.07.2011
  3. Titelstory: „Türkei erwartet neue Flüchtlingswelle“, 22.09.2014
  4. Titelstory: „Verlorene Generation“, 13.03.2015

© Süddeutsche Zeitung GmbH, München. Mit freundlicher Genehmigung von Süddeutsche Zeitung Content (www.sz-content.de).

Ich bedanke mich, die genannten Ausgaben kostenfrei nutzen zu dürfen.


  • Spiegel:
  • DER SPIEGEL 10/2016

Ich bedanke mich, die genannten Ausgaben kostenfrei nutzen zu dürfen.


  • Die WELT:
  • Die WELT, 01.09.2015
  • Die WELT, 28.10.2015
  • Die WELT AM SONNTAG, 03.01.2016

Ich bedanke mich, die genannten Ausgaben nutzen zu dürfen.


[1] Simulation / Simulationstheorie : Baudrillard ; Lexikon der Filmbegriffe, https://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=5767

[2] Jean Baudrillard und die Kultur der Simulation ; SWR2 Wissen, https://www.swr.de/swr2/programm/download-swr-9234.pdf

[3] Wie Medien über die Flüchtlingskrise berichteten: Frankfurter Allgemeine, https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/fluechtlingskrise-so-berichteten-die-medien-15115172.html

[4] Wie Medien über die Flüchtlingskrise berichteten: Frankfurter Allgemeine, https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/fluechtlingskrise-so-berichteten-die-medien-15115172-p2.html

Fotoausstellung: Perspektiven einer Reise

von Monti Luger, Marija Malinska und Barbara Wutz

Die Fotoausstellung Perspektiven einer Reise befasst sich mit drei Perspektiven: mit der eines Flüchtlings, mit der einer Urlauberin und mit der Darstellung der Medien.


Die erste Perspektive stellt die einer Urlauberin dar. Die meisten von Ihnen werden die Mittelmeerküste mit ihren imposanten Landschaften, dem milden Klima und leckerem Essen, zur Erholung besucht haben. Dadurch wird diese Sichtweise eine vertraute sein. Wichtig für unsere Darstellung ist allerdings auch die Art des Urlaubes. Segeln wird assoziiert mit Freiheit und Entdeckungen, aber auch mit einem gewissen finanziellen Status. Dieser Aspekt wird in den begleitenden Interviews vermehrt beleuchtet, denn für die Protagonisten – einer Gruppe Studenten und Berufseinsteigern – ist die finanzielle Seite der Reise durchaus prominent.

Auch ist die Reise mit gewissen weiteren Hürden verbunden. Die Unannehmlichkeiten einer Autofahrt oder die Herausforderung eine Gruppe Menschen auf engstem Raum für längere Zeit zufrieden zu stellen mögen verglichen mit globalen Problemen banal erscheinen. Doch sind sie für die beteiligten Personen in der Situation durchaus real und wichtig. Somit war es unser Ziel, auch diesen Aspekt zu beleuchten und eine vielschichtige Repräsentation zu kreieren. Doch auch eine weitere Perspektive lässt sich zwischen den Zeilen erkennen: die der Einheimischen. Welche Auswirkungen haben die Touristenströme auf ihr Leben und ihre Heimat?  Die Fotografien stellen auf den ersten Blick schöne Urlaubserlebnisse dar. Doch sollen sie mit ihrer Komposition eine Spannung erzeugen und einladen, inne zu halten und hinter die Fassade zu blicken. 

Nicht zuletzt entsteht die Spannung auch durch die direkte Gegenüberstellung zur zweiten Perspektive – der eines Geflüchteten. Ein Boot auf dem Mittelmeer ruft in Angesicht der Ereignisse der letzten Jahre unweigerlich Assoziationen mit der Flüchtlingskrise hervor. 

Unsere Intention ist es aber keineswegs, mahnend den Zeigefinger zu erheben. Vielmehr geht es darum, den Blick auf die einzelnen Personen zu wenden, denn jede der Perspektiven hat ihre Legitimität.


Wir kontrastieren die Urlauber-Perspektive mit der von Hafez, der über das Mittelmeer geflüchtet ist. Die Meisten werden die Flüchtlingsdebatte über die Massenmedien mitverfolgt haben und sich auf Basis verschiedener Aussagen ein Bild über die Situation gemacht haben. Aber wie viele von uns hatten schon einmal die Möglichkeit, eine solche Reise persönlich zu hören? 

In der Ausstellung versuchen wir, auch den Weg aus der Sicht des Individuums zu beleuchten, die in der Masse von Berichterstattung und Menschen untergeht. 

Aus ersten Hand erzählt uns Hafez von den Umständen seiner Flucht aus der Heimat, der Reise nach Europa und wie er in Deutschland angekommen ist. Die Fotos von Hafez sind in München entstanden und sollen die jeweiligen Stationen seiner Reise wiederspiegeln. 

Zwischen den Herausforderungen, Gefahren und Ungewissheit auf dieser Reise, vergisst man leicht das, was der Schweizer Psychologe Carl Jung Individuation, oder Selbstverwirklichung, genannt hat. Hafez hat die Verantwortung für sein Leben übernommen und den Mut aufgebracht, einen lebensbedrohlichen Weg auf sich zu nehmen, um sein Leben zu retten. Lassen Sie den Kontrast der Geschichten auf sich wirken und beobachten Sie, ob sich Ihre Sichtweise verändert.

Filmkritik: CLIRIMI (Befreiung) / THE RETURN (Die Rückkehr)

von Lisa Stengel

CLIRIMI (Befreiung)
Kosovo | Albanien 2015 | Regie: Burim Haliti | Kurzfilm

„Clirimi“ spielt während des Kosovokrieges – ein Konflikt, der nicht nur im internationalen, sondern auch im nationalen Gedächtnis in den Hintergrund rückt. Die Protagonisten sind ein ungleiches Paar: ein Lehrer und ein Schüler, die zu einer Nachprüfung das Schulgebäude aufsuchen und dort gezwungenermaßen mehrere Monate des aktiven Gefechts ausharren. Der Konflikt zehrt an den Kräften beider, Hunger und Angst machen sie gereizt und doch zeigen sie auch Humor. Und als das Land befreit wird, die beiden endlich das Gebäude verlassen können – stehen sie albanischen Truppen gegenüber.
Halitis Kurzfilm zeigt Menschlichkeit in einer unmenschlichen Zeit. Er zeugt vom Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen, auch wenn die Hoffnung auf Frieden buchstäblich stirbt. Doch das Ende bleibt offen – wie so viele Menschen, die tatsächlich bis heute nach Ende des Konflikts verschwunden sind, wissen wir als Zuschauer nicht, was aus den beiden ungleichen Helden wurde.


THE RETURN (Die Rückkehr)
Kosovo | Mazedonien 2017 | Regie: Kastriot Abdyli | Spielfilm

Diese erste albanisch-mazedonische Koproduktion bringt direkt ein politisch brisantes Thema auf die Leinwand: nach sieben Jahren kehrt Iliri nach Mazedonien zurück – mit einer Frau, seiner Verlobten Sabine, an seiner Seite. Jahre zuvor war er, in Hoffnung auf eine bessere Zukunft, nach Frankreich ausgewandert, ohne die Sprache zu kennen oder ein Handwerk zu beherrschen. Doch bei der Rückkehr in seine ländlich geprägte Heimat treffen buchstäblich Welten aufeinander: Iliris Vater will Sabine einfach nicht als die Zukünftige seines Sohnes akzeptieren. Wie Sabine kann der Zuschauer nur Vermutungen aufstellen: liegt es daran, dass sie Französin ist? Ist es die Sprachbarriere? Sind es vielleicht doch religiöse Gründe? Doch vor der malerischen mazedonischen Landschaft entfaltet sich in Wahrheit ein ganz anderer Konflikt: vor sieben Jahren hatte Iliri einer Frau versprochen, für sie zurück zu kommen. Und so ein Versprechen bricht man nicht leichtsinnig.
„The Return“ spielt um 2000, spricht aber ein bis heute relevantes wie besorgniserregendes Thema an: Landflucht betrifft viele junge Menschen, vor allem Männer, die sich im Westen eine bessere Zukunft erhoffen. Und viele Frauen werden zurückgelassen – im besten Fall mit einem Versprechen, im schlimmsten mit mehreren Kindern, die sie alleine großziehen müssen.
Abdyli schafft einen bildgewaltigen Film, der auf narrativer Ebene nicht weniger überzeugt. Und zum Ende müssen wir uns fragen: ist Iliri wirklich nur der Liebe zum Opfer gefallen oder hatte er andere Motive?


Mittelmeer und Plastikflut

Eine Kunstinstallation von Vivi Kara, Lilian Karr und Coco Klausen

am 25.-26.01.2019 von 18-22 Uhr im Pixel | Eintritt frei!

Das Mittelmeer als Sehnsuchtsort: Sonnige Urlaubstage am Strand, Tauchgänge in Unterwasserwelten, lange Abende in lebendigen Küstenorten und das Erleben verschiedener Kulturen locken Menschen seit jeher in den mediterranen Raum. Doch das Mittelmeer ist ein bedrohtes Gewässer: Plastikmüll und Giftstoffe machen es zur Todeszone für das Unterwasserleben. Leergefischte Regionen und (Mikro-)Plastik als Klimakiller: Die Traumkulisse ist gleichzeitig Massengrab – aus der Naturschönheit wird eine Unterwasserwüste. Anhand von recycelten Materialien unternimmt die Kunstinstallation den Versuch, zwischen diesen Widersprüchen und Gegensätzen zu vermitteln. Das Mittelmeer sollte kein Ort passiver Betrachtung sein.

Meerwert

Ein Interview mit Vivi Kara, Lilian Karr und Coco Klausen von Ruth Konrad und Paulina Kutschka

Schon als sich die Planung der Zusammenarbeit zwischen uns Studierenden der LMU und der Filmstadt noch in den Kinderschuhen befand, habt ihr euch dazu entschieden eigenhändig ein Kunstprojekt auf die Beine zu stellen. Was fasziniert euch an der medialen Form der Kunstinstallation?

Da unser Studiengang sehr theoretisch ist, hat es uns gereizt, die Thematik Mittelmeer mal von der anderen Seite zu betrachten. Da wir sonst die künstlerischen Darstellungen nur analysieren, haben wir uns überlegt, ein Experiment zu wagen und unser theoretisches Wissen und unsere Grundlagen umzupolen. Dieses Verständnis und dem anderen Blickwinkel wollten wir uns an den Prozess der künstlerischen Entwicklung heranwagen. Für uns war es besonders spannend, dass uns das Studium nun die Möglichkeit bietet, auf vielfältige Weise mit der Thematik auseinanderzusetzen und eine andere Formsprache entwickeln zu können. Also, unser theoretisches Wissen ins künstlerische Projekt umzupolen und dabei beides zu kombinieren. Denn man darf nicht vergessen, dass unser Studiengang auch die Medienkultur beinhaltet und es so viele unterschiedliche Ausdrucksweisen gibt.

Was könnt ihr uns schon über die Kunstinstallation verraten?

Zu viel wollen wir noch nicht verraten. Was wir schon sagen können ist, dass wir die enorme Verschmutzung des Mittelmeeres thematisieren. Wir versuchen mit unserer Installation das Bewusstsein für die vorherrschende Situation in den Weltmeeren, vor allem im Mittelmeer, zu schaffen. Wir haben uns bemüht, dass alle Materialien, die wir nutzen, ausschließlich recycelte sind oder recycelte werden. Wir wollen in keinem Fall durch die Installation neuen Plastikmüll produzieren. Das war vor allem auch mit Hilfe des Treibguts, quasi einem „Second-Hand-Künstlerbedarf“ im Kreativquartier möglich, in dem wir den Großteil der Materialen für die Ausstellungen geholt haben. Außerdem lässt sich verraten, dass unser Projekt die verschiedenen Sinne ansprechen soll. Sowohl visuell als auch auditiv. Aber auch die olfaktorischen und gustatorischen Reize kommen nicht zu kurz – denn im Pixel wird es auch eine Bar geben.

Im Studium der Film- und Medienkultur Forschung lernen wir viel über die Techniken mit denen Kunst interpretiert werden kann, doch selten haben wir Berührung mit dem tatsächlichen Prozess der Entwicklung. Wie war das für euch? Wie seid ihr an die Sache rangegangen?

Natürlich lag es nicht so fern, eines der Themen, die einem sofort in den Kopf schießen, wenn man an das Mittelmeer denkt, aufzugreifen. Das Thema Meeresverschmutzung sowie die Geflüchtetenthematik ist zurzeit eine der ersten Assoziationen mit dem Mittelmeer. Wir haben uns dafür entschieden, dass man mit einer Kunstinstallation recht gut auf die Meeresverschmutzung aufmerksam machen kann und durch unser theoretisches Wissen hinsichtlich der Kunstvermittlung und ihrer Wirkung die Möglichkeit nutzen wollen, dies im Kontext der Tagung umzusetzen. Wir sind ziemlich spontan und inspirativ an das Projekt rangegangen. Dadurch dass wir drei bei der Idee sehr schnell und gut zusammengearbeitet haben und zum Glück visuell recht ähnliche Vorstellungen und Wünsche hatten, war schnell klar, in welche Richtung wir gehen wollen und das Projekt hat sich dann relativ gut umsetzen lassen. Besonders konkret ist es dann bei unserem Besuch im Treibgut geworden, da wir vor allem von der Idee des Recycelns von Künstlermaterialien begeistert waren. Denn die Kunst, die oft auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam machen soll und an die Menschen und ihren Umgang mit diesen appelliert, hat einen enormen Ressourcenverbrauch zu verzeichnen. Durch die recht einzigartige Möglichkeit, diese Materialien zu recyceln, lässt sich die Idee einer Installation zur Vermüllung der Meere quasi ohne schlechtes Gewissen umsetzen.

Aufgabe war auch eure kreative Arbeit mit einem wissenschaftlichen Hintergrund zu verknüpfen. Wie gut sind Kunst und Wissenschaft aus dieser für euch neuen Perspektive der Kunstschaffenden vereinbar?

Wir würden sagen, das kommt sehr darauf an, was man will. Der wissenschaftliche Hintergrund und die Analyseweisen spielen für einen wirklichen Kunstschaffenden keine große Rolle. Für uns war das Projekt besonders spannend, weil wir beide Blickwinkel haben – den theoretischen und den künstlerischen. Da wir aus beiden Perspektiven arbeiten, hatten wir während der praktischen Herangehensweise immer auch die theoretischen Aspekte im Hinterkopf. Da wir ja begleitend auch unsere wissenschaftlichen Arbeiten über die Kunstrezeption und die Legitimation und Wirkungsweisen von Kunst schreiben, war es für uns interessant, ein wahrscheinlich etwas anderes Kunstprojekt zu schaffen.

Dokumentarfilm-Projekt: SEHNSUCHT NACH MEE(H)R

Von Carla Pollak & Julian Schmucker

Über das Projekt

Auf den Spuren der mediterranen Küche werden zwei Münchner Restaurants besucht und mit deren Betreiber.innen Gespräche
über ihre Herkunft, über Sehnsucht, Heimat und Heimatlosigkeit geführt. Die persönliche(n) Geschichte(n) der Menschen, die ihren Geburtsort verlassen und nun in München ein neues Leben begonnen haben – auch und nicht zuletzt mithilfe der Küche
ihrer Herkunftsländer – stehen dabei im Vordergrund. Warum haben sie München als neue Heimat gewählt? Was schätzen sie an ihrem Leben hier und was vermissen sie aus ihrer Heimat, dem Mittelmeerraum?

Neben diesen persönlichen Themen geht es auch um das Essen und die Küche: Wie wird in München mediteran gekocht? Welche Gerichte vermissen sie aus ihrer Kindheit? Und was hat es mit diesen Süssigkeiten auf sich?

Der fertige Film wird am 18. und am 25. Januar 2020 im Carl-Amery-Saal während der Mittelmeer-Filmtage präsentiert.

„Eine neue Herausforderung…“

Als der einzige filmwissenschaftliche Studiengang an der LMU verstand es sich quasi von selbst, dass einige von uns sich der Produktion einer eigenen Kurzdokumentation annahmen.

Das Thema: Mediterrane Kulturen in München.

Lisa Reiter und Sophia Finsterwalder stellten sich dieser praktischen Aufgabe, unterstützt von Nicoletta Kolmeder und Julian Schmucker. Warum sie sich entschlossen, im Rahmen des Seminars einen ganzen Film zu drehen? Dazu sagen die beiden: „Durch das theoretische Studium wollten wir uns einer neuen Herausforderung stellen. München bietet dafür das perfekte Pflaster, da hier viele mediterrane Kulturen mit ihren Restaurants vertreten sind.“

Es dauerte nicht lange, bis das Konzept stand. Kulinarisch sollte es werden, und selbstverständlich auch technisch hochwertig. Bald wurde klar – mal eben schnell gedreht ist auch so ein Kurzfilm nicht: „Besonders spannend war zum einen der uns anfangs fremde Umgang mit der Technik. Wir hatten das Glück, eine professionelle Kinokamera sowie ein Tonstudio nutzen zu dürfen. Mit der Hilfe der LMU-Mitarbeiter wurden wir eingelernt und durften uns die Ausrüstung leihen. Auch die Postproduktion hat sich für uns als relativ neues Pflaster mit einigen Herausforderungen dargestellt. Mit dem hier gesammelten Wissen hat sich unsere Perspektive auf Filmproduktionen definitiv nochmals geändert.“

Doch wie genau das ganze nun umgesetzt werden sollte, das war der eigentlich zentrale Schritt der Arbeit: „Der Film erzählt die Geschichte zweier Restaurants mit mediterranen Hintergrund. Dabei war es natürlich interessant, die drei verschiedenen Charaktere kennenzulernen und mit ihnen zu interagieren. Uns interessierten neben den Restaurantbesitzern vor allem deren Werdegang sowie der mediterrane Einfluss.“

Auf diesem Feld beschäftigten sich die Filmemacherinnen auch mit der wissenschaftlichen Ebene. Besonders präsent wurden dabei der „Heimatbegriff“ sowie die Räume, in denen sich die Protagonisten bewegen: „Um diese Themen dreht sich letzten Endes auch unser wissenschaftlicher Text, den wir als Prüfungsleistung abgeben.“

Nun war es an der Zeit, sich nach den passenden Restaurants umzusehen. Die zahlreichen mediterranen Küchen im Großraum München gaben dafür einiges an Grundlagen her: „Erst einmal haben wir überlegt, welche Küchen für uns besonders interessant sind. Dann haben wir Restaurants kontaktiert, die unserer Meinung nach besonders mit qualitativem Essen sowie interessanten und sympathischen Betreibern hervorstechen. Francesca, Federico und Salah haben alle Kriterien erfüllt und haben sich über unseren Besuch gefreut.“

Drei Tage waren die Filmemacherinnen unterwegs, um gemeinsam mit Nicoletta Kolmeder Außenaufnahmen, Interviews und weiteres Schnittmaterial abzufilmen. Während Vorbereitung und Dreh nahezu reibungslos abliefen, wurde es dann in der Postproduktion nochmal richtig spannend: „Da kamen uns dann unsere „Anfängerfehler“ in die Quere. Oft war das Bild sehr verwackelt oder das Licht war ungeeignet. Auch der Schnitt hat sich als schwieriger erwiesen, als gedacht. Hier hat uns dann ab einem gewissen Verzweiflungsgrad Julian Schmucker unterstützt und uns hilfreiche Tipps gegeben.“

Abschließend wollen Lisa und Sophia aber dennoch ein positives Fazit ziehen. Sie sind glücklich über das zu Ende gebrachte Projekt und haben auch Tipps für Studierende, die sich an Ähnlichem versuchen wollen: „Viel Geduld mitbringen und akzeptieren, dass manche Dinge anders laufen, als man sie sich vorgestellt hat“, sagen sie dazu. Und weiter: „Es ist auch wichtig zu respektieren, dass jeder seine eigenen künstlerischen Vorstellungen hat. Und irgendwann muss man das Projekt enden, ein Filmemacher ist wahrscheinlich nie zu 100% zufrieden mit seinem Werk.“

Workshop@Mittelmeer-Filmtage

von Karolin Tybus und Natascha Herr

Idee, Konzeption und Durchführung des Workshops:
Nicoletta Kolmeder, Mark Luxenhofer
Patryk Maciejewski, Lea Kubisch

„Ein flüssiger Kontinent?
Méditeranée zwischen Fiktion und Realität“

Die Vortragsreihe beleuchtet den Mittelmeerraum als Ort der politischen und historischen Zwischenwelten, der von dauerhaften Konflikten zwischen Ökonomie und Kultur geprägt ist. Der Fokus liegt dabei auf künstlerischen Konzepten, die sich mit dieser Kontroverse auseinandersetzen sowie dem philosophischen Konzept der Grenze im Medium Film. Jedes Panel enthält zwei Vorträge von Studierenden der Film- und Medienkultur-Forschung und einen Gastvortrag.

Die beiden Panels sind thematisch folgendermaßen festgelegt:

PANEL 1:
(FILM-)GESCHICHTE UND (FILM-)LANDSCHAFT DES MITTELMEERS
23. Januar 2020 18 – 22:00 Uhr, PIXEL

„Filmlandschaft und Kulissen Italiens –
Zwischen Hollywood und Heimatgefühl“
Vortrag von Nicoletta Kolmeder (LMU)

„Das Mittelmeer als Begegnungsraum.
Kulturelle Spannungen in den Filmen von Roberto Rosselini“
Vortrag von Mark Luxenhofer (LMU)

„Mediterranismus oder Poetische Rekonfigurationen
des Mittelmeeres in Literatur und Film“
Vortrag von Prof. Dr. Tomislav Zelić (Universität Zadar, Kroatien)


PANEL 2:
DAS MITTELMEER ALS GRENZ- UND KULTURRAUM
25. Januar 2020 18 – 22:00 Uhr, PIXEL

„Zwischen Be- und Entgrenzung.
Das Paradox Mittelmeer(Raum)“
Vortrag von Patryk Maciejewski (LMU)

„Perspektiven.
Zur Realität und Imagination von Grenzen“
Vortrag von Lea Kubisch (LMU)

„Spanische Meeresimaginarien:
Gesellschaftskritik und Mythenbildung“
Vortrag von Dr. Romana Radlwimmer (Universität Tübingen)


Warum habt ihr euch für einen Workshop entschieden bzw. wie seid ihr auf das Format gekommen?
Patryk: Ich vermute, weil wir einen gewissen Hang zum Theoretisch-Wissenschaftlichen haben und uns im Rahmen der Mittelmeer-Filmtage mit den philosophischen und kulturellen Aspekten des Mittelmeers auseinandersetzen wollten. Das Format Workshop bietet sich hier durchaus an, da man den Zuschauern zusätzlich theoretisches Hintergrundwissen mitgeben kann, welches idealerweise zu einer umfassenderen filmischen Erfahrung beiträgt.
Nicoletta: Zuerst war ich sehr unentschlossen, denn alle Projekte waren wirklich interessant. Ich wollte aber dann doch an einem Projekt arbeiten, das theoretischer ist, da ich mich für dieses Format durch den Studiengang am besten vorbereitet gefühlt habe. Ich war aber auch neugierig auf die praktischen Arbeiten meiner Kommilitonen. Darum habe ich das Dokumentarfilm-Projekt für die Mittelmeer-Filmtage ein bisschen während den Dreharbeiten unterstützt, was mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Wie seid ihr bei eurer individuellen Themenfindung vorgegangen? Ist sie euch schwergefallen?
Nicoletta: Am Anfang ist mir die Themenfindung schon schwergefallen. Das Thema Mittelmeer bietet riesige Auswahlmöglichkeiten, aber nichts, womit ich mich film- oder medienwissenschaftlich schon tiefer befasst hätte und woran ich direkt anknüpfen könnte. Ich habe mich also einfach auf die Suche gemacht und konnte mich recht schnell für ein Thema begeistern. Ich wollte vor allem den filmischen Aspekt mit dem Raum selbst verbinden.
Mark: Ich wollte unbedingt etwas Filmhistorisches machen, da ich es schade fand, dass kein Klassiker im Programm der Mittelmeer-Filmtage war. Ich habe dann überlegt, welche Filme aus dem Mittelmeerraum am besten zur Thematik des Panels passen und habe mich dann für Rossellinis Werk entschieden – auch, weil ich erst vor kurzem wieder eine kleine persönliche Retrospektive von ihm gemacht habe.
Patryk: Als ich mich das erste Mal konzeptuell mit dem Mittelmeerraum beschäftigt habe, sind mir die unterschiedlichen, teilweise entgegengesetzten Denkansätze und Grenzauffassungen besonders aufgefallen. Ich wollte herausfinden, wie ein und derselbe Raum auf so viele Arten verstanden werden kann. Dementsprechend habe ich meinen Vortrag nach dieser Fragestellung ausgerichtet.
Lea: Ich fand die Vorstellung von Grenzen und Feindbildern schon immer faszinierend, da Menschen bereit sind, im Namen beider fast unmenschliche Dinge zu tun. Dabei sind die meisten Grenzen und Feindbilder fast ausschließlich imaginär, bzw. – umgangssprachlich ausgedrückt – Hirngespinste.

Kurze Zusammenfassung der jeweiligen Workshop-Themen/Schwerpunkte
Nicoletta: Der Film und seine Darstellungen sind immer zu einem gewissen Grad fiktiv. Wie fiktiv sind also seine Kulissen und Drehorte im Hinblick dessen, was sie darstellen? Diese Fragen sollen am Beispiel Italien betrachtet werden. Der Vortrag führt medienwissenschaftlich in die Entwicklung und Funktion der Drehorte und Kulissen ein und bietet einen filmhistorischen Überblick dieser im italienischen Raum. Zudem wird untersucht, ob Darstellungen durch nationale und internationale Filme die Landschaft und Kultur Italiens selbst beeinflussen, beispielsweise durch verstärkten Tourismus, der sich auf bestimmte Filme zurückzuführen lässt.
Mark: Mein Vortrag erforscht das Schaffen des italienischen Regisseurs Roberto Rossellini. Mein Hauptaugenmerk liegt dabei darauf, wie Rossellini das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen im Mittelmeerraum verhandelt. Dabei steht vor allem die filmische Umsetzung des Raumes im Vordergrund. Von „Rom, offene Stadt“ bis zu „Reise in Italien“, Rossellinis Filme zeichnen sich durch eine für Rossellini charakteristische Raumgestaltung aus, die vor allem eine Projektion des Innenlebens seiner Figuren darstellt. Besonders interessant ist deshalb, in welchen semantischen Räumen interkulturelle Begegnungen in dem Filmen des Italieners stattfinden.
Patryk: Wie kann ein Schwellenraum gleichzeitig als Grenzlinie verstanden werden? In meinem Vortrag soll ebendieses Paradox – diese Spannung zwischen der arealen und linearen Auffassung des Mittelmeers – näher beleuchtet werden. Neben der historischen Entwicklung, die eine wichtige Rolle in der Entstehung jenes Zwiespalts spielt, werden auch kulturwissenschaftliche und politische Erklärungsansätze herangezogen.
Lea: Grenzen gehören zur menschlichen Wirklichkeit. Ganz gleich, ob sie territorial-real existieren und mit Zäunen, Mauern und Stacheldraht verteidigt werden oder kulturell-imaginär sind und durch das Denken und Handeln der Menschen bestehen. Unter dem Titel „Perspektiven – Zur Realität und Imagination von Grenzen“ möchte ich in meinem Vortrag über verschiedene Arten und Formen von Grenzen, Abgrenzungsmechanismen sowie über die damit verknüpfte Funktionalisierung von Feindbildern sprechen. Besonders im Mittelmeerraum, der das thematische Grundgerüst der Mittelmeer-Filmtage bildet, sind Grenzen ein zentrales und aktuelles Thema. Hier ist vor allem die Flüchtlingsthematik zu bedenken. In der philosophisch-kulturellen Reflexion von Grenzen und Feindbildern soll deshalb die politisch-mediale Instrumentalisierung des Flüchtlingsfeindbildes herangezogen werden. Ziel ist es, ein Bewusstsein für selbiges sowie nationale und politische Abgrenzung zu schaffen.

Was wäre das Best-Case-Szenario für den Workshop? Was sollen die Zuschauer bestenfalls aus den Vorträgen mitnehmen?
Mark: Im besten Fall werden die Zuhörer dazu angeregt, sich selbst mehr mit dem Thema zu befassen, bzw. bekommen neue Perspektiven und Sichtweisen eröffnet. Wir hoffen natürlich auch als Referenten, durch den Austausch mit dem Publikum die eine oder andere Anregung für kommende Forschungsfragen zu bekommen, bzw. von unseren Gastrednern, die alle im universitären Rahmen lehren, zu lernen.
Lea: Toll wäre es, wenn das Publikum neue Denkanstöße in Richtungen bekommen würde, die die sie bisher nicht beschäftigt haben. Sowohl ein erweitertes Medienbewusstsein als auch differenziertere Vorstellungen von Grenzen (v.a. Abgrenzungen) wären großartig.
Nicoletta: Natürlich würden wir uns über genug Zuhörer freuen und über einen reibungslosen Ablauf.

Nach welchem Prinzip habt ihr eure Gäste ausgewählt? War es schwer, besagte Gäste für eure Sache zu gewinnen?
Lea: Wir haben zwei Gäste, einen pro Abend. Wir haben sie nach passendem Forschungsgebiet ausgewählt. Manche kannten wir persönlich.
Mark: Bei den Gastrednern konnte ich eine ehemalige Professorin von mir aus Augsburg aus der Iberoromanistik gewinnen, an die ich sofort gedacht habe. Der zweite Gastredner war schwieriger, da unsere erste Wahl abgesagt hatte. Dafür haben wir mit Herrn Grizelj Kontakt aufgenommen, der einen befreundeten Germanisten aus Kroatien kontaktiert hat.

Auf welche Schwierigkeiten seid ihr bisher bei euren Vorbereitungen bzw. bei eurem Projekt gestoßen?
Nicoletta: Auch wenn unser Format einem Referat in einen anderem, nicht-universitären Umfeld ähnelt ist die Organisation und die Vorbereitung eines Tagungsprojekts neu für uns. Natürlich klappt nicht alles sofort. Einen Termin zu finden, an dem alle (vor allem die Gäste) Zeit haben und an dem der zugewiesene Raum noch nicht belegt ist war beispielsweise eine Schwierigkeit.
Mark: Vor allem die die Organisation von Gastrednern stellte uns vor Probleme, da es erstmal schwierig war, Experten auf dem Gebiet zu gewinnen und viele einen sehr vollen Terminkalender haben. Da mussten schon mal Termine hin- und hergeschoben werden, damit am Ende alles passte.
Patryk: Hauptsächlich organisatorische Probleme, die sich bei so einer Veranstaltung eben ergeben. Ein Plan B ist da von größter Bedeutung.

Welche Schwierigkeiten könnten noch auftreten?
Lea: Jemand könnte krank werden, einer der Gäste könnte spontan absagen, die Technik könnte streiken oder im schlimmsten Fall kommt keiner.
Patryk: Da die Kunstinstallation ebenfalls im Pixel stattfindet, wird wohl einiges abgeräumt und umgestellt werden müssen, bevor der Workshop stattfinden kann. Die Kunstobjekte müssen während der Vorträge irgendwo untergebracht und der Raum mit Stühlen gefüllt werden. Wie das ablaufen wird, steht noch offen.
Nicoletta: Ich habe den Raum, in dem wir die Vorträge halten, noch nicht von innen gesehen. Da er uns von den Veranstaltern der Mittelmeer-Filmtage empfohlen wurde, vertraue ich aber einfach darauf, dass er für unser Format geeignet ist. Eine Schwierigkeit, die jedem Student bekannt sein dürfte, sind die technischen Probleme. Aber wir werden vor Ort früh genug testen, ob alles an der Präsentation funktioniert.



Nach dem Ende unserer Zusammenarbeit mit den 12. Mittelmeer-Filmtagen wird ein weiterer Blog-Eintrag enstehen, in dem ein Fazit zu den Projekten gezogen werden soll.

Bald geht’s los…

Die Mittelmeer-Filmtage finden alle zwei Jahre in München statt und kooperieren im Januar 2020 zum ersten Mal mit der LMU München, mit dem Ziel, das Filmfest um ein wissenschaftlich-kreatives Rahmenprogramm, gestaltet durch Studierende der Universität, zu erweitern.

Rund um die Mittelmeer-Filmtage entstehen hier also bald spannende Beiträge, die die studentischen Projekte im Rahmen des Filmfests begleiten und dem Publikum zusätzliche Informationen zur Verfügung stellen sollen.